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Costs, diffusion, and the stigmatized victim

Irving M. Piliavin, Jane Allyn Piliavin & Judith Rodin
Costs, diffusion, and the stigmatized victim
(Journal of Personality and Social Psychology 1975, 32, S.429-438)

Modul 4 / Kurs 3410 / T3: Verantwortungsdiffusion und die Kosten der Hilfeleistung

Mal angenommen, du stehst in der U-Bahn – und plötzlich bricht ein Mann vor deinen Augen mit einem leisen Stöhnen zusammen, liegt auf dem Boden und rührt sich nicht. Du schaust zu ihm hinunter und siehst ein hässliches, Dich ekelndes Muttermal auf seiner Wange. Welche Gedanken würden Dir in so einer Situation durch den Kopf schießen? Was würdest Du tun? Spontan zu ihm hingehen und schauen, ob Du irgendwas für ihn tun kannst? Auf die Reaktionen Deiner Mitpassagiere achten, weil Dich die Situation vielleicht überfordert? Denkst Du, ach, da wird sich schon ein anderer drum kümmern? Hast Du Angst, daran Schuld zu sein, wenn er vor Deinen Augen sterben würde, weil niemand, auch Du nicht, geholfen hat? Welche Rolle spielt sein entstellendes Muttermal bei Deinen Überlegungen?

Piliavin, Piliavin und Rodin haben genau eine solche Situation 166 Mal in einer New Yorker U-Bahn fingiert. In der Hälfte der Durchgänge hatte der zusammenbrechende Mann ein häßliches Muttermal im Gesicht, in der anderen Hälfte keines. In einem Teil der Durchgänge war ein Verbündeter der Forscher an Bord, der anhand seiner Kleidung als Arzt eingestuft werden konnte. Die Frage war: wie wirken sich diese unterschiedlichen Situationsmuster auf das Hilfeverhalten der Passagiere aus? Führt die Anwesenheit eines “Arztes” zu anderen Reaktionen als in Situationen, in denen keine solche kompetent erscheinende Person anwesend ist? Wird dem Mann ohne “Stigma” eher geholfen als dem Stigmatisierten?

Die Beobachtung eines Notfalls führt bei den Zeugen in der Regel zu Erregung, die als so unangehm empfunden wird, dass man sie schnellstmöglich loswerden möchte. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: man hilft selbst oder holt Hilfe, man flüchtet oder ignoriert das Ganze, man interpretiert die Situation so um, dass Hilfe nicht erforderlich erscheint oder man gibt dem Opfer die Schuld an seiner Situation. All das führt zwar zum Abbau von Erregung, hat aber auch seinen Preis.

Die Forscher gingen davon aus, dass Hilfeverhalten in Notsituationen durch Kosten-Nutzen-Kalkulationsprozesse beeinflusst wird, also Überlegungen nach dem Motto: was kostet es mich, wenn ich helfe (hier z.B. Ekelgefühle wegen des Muttermals) und was kostet es mich, wenn ich nicht helfe (z.B. Schuldgefühle). Im Regelfall würde ein Zeuge diejenige Handlungsalternatie auswählen, die am schnellsten und wirksamsten seine Erregung mindert und mit den geringsten Verhaltenskosten verbunden ist – das kann Hilfeverhalten sein, muss aber nicht.

Unter bestimmten Umständen oder bei gewissen Persönlichkeitstypen kann es aber auch sein, dass der Zeuge einschreitet, ohne Kosten und Nutzen seines Verhaltens zu kalkulieren. Hier ist ein Beispiel dafür…ZF 3410 / T3 Piliavin et al.

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